Anschreiben schreiben, ohne Floskeln
Zuletzt aktualisiert am 3. September 2026
Ein Anschreiben wird selten von Anfang bis Ende gelesen. Es wird überflogen, und zwar meistens in dieser Reihenfolge: erster Satz, letzter Satz, der Rest nur bei Interesse. Wenn das stimmt, ist der erste Satz die wertvollste Zeile im ganzen Dokument — und genau sie wird am häufigsten verschenkt.
Der erste Satz
Der klassische Anfang lautet:
Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle als Projektmanagerin, die ich mit großem Interesse auf Ihrer Homepage gelesen habe.
Dieser Satz enthält nichts, was die lesende Person nicht schon weiß. Dass du dich bewirbst, ergibt sich aus dem Vorgang; auf welche Stelle, steht im Betreff; dass du sie interessant fandest, wird unterstellt. Die erste Zeile ist verbraucht, bevor irgendetwas gesagt wurde.
Besser sind Anfänge, die eine Information transportieren — am zuverlässigsten die, in der die wichtigste Anforderung der Anzeige und deine dazu passende Erfahrung aufeinandertreffen:
Sie suchen jemanden, der die Einführung eines neuen Warenwirtschaftssystems begleitet. Genau das habe ich in den letzten zwei Jahren bei einem Handelsunternehmen mit 60 Mitarbeitenden gemacht — von der Auswahl bis zur Schulung der Teams.
Das funktioniert, weil es eine Behauptung aufstellt, die überprüfbar ist, und weil es zeigt, dass die Anzeige gelesen wurde. Beides lässt sich nicht mit einer Vorlage erzeugen.
Aufbau
Ein Anschreiben passt auf eine Seite. Vier Absätze reichen fast immer:
- Der Aufhänger. Die wichtigste Anforderung und dein Bezug dazu, wie oben.
- Der Beleg. Ein bis zwei konkrete Beispiele, die den Aufhänger stützen. Nicht die Aufzählung aus dem Lebenslauf wiederholen, sondern eine Station erzählen: Ausgangslage, was du getan hast, was dabei herauskam.
- Der Bezug zum Arbeitgeber. Warum diese Stelle, dieses Haus. Hier trennt sich Recherche von Textbaustein — und hier fällt es am schnellsten auf, wenn nichts recherchiert wurde.
- Der Abschluss. Verfügbarkeit, gegebenenfalls Gehaltsvorstellung, wenn danach gefragt wurde, und ein schlichter Satz zum Gespräch.
Zum Schlusssatz
„Über eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch freue ich mich sehr" ist unauffällig und völlig in Ordnung. Vermeiden sollte man den Konjunktiv, der die eigene Bewerbung relativiert: „Über eine Einladung würde ich mich freuen" klingt, als sei man selbst nicht sicher, ob es dazu kommen sollte.
Was man weglassen kann
- „Wie Sie meinem Lebenslauf entnehmen können …" — dann kann man es auch dort stehen lassen.
- Eigenschaftslisten. „Teamfähig, belastbar, motiviert" behauptet jeder. Eine Situation, in der Belastbarkeit nötig war, belegt sie.
- Der Dank im Voraus. „Vielen Dank für Ihre Zeit" ist höflich gemeint, macht aber aus einer Bewerbung eine Bitte.
- Die Wiederholung des Lebenslaufs. Wenn beide Dokumente dasselbe sagen, ist eines überflüssig — und es ist nicht der Lebenslauf.
Wenn eine Anforderung fehlt
Kaum jemand erfüllt eine Anzeige vollständig; Anzeigen sind meist Wunschlisten. Zwei Umgangsweisen funktionieren schlecht: die Lücke verschweigen und hoffen, oder sie ausführlich entschuldigen.
Besser ist ein kurzer, sachlicher Satz, der die Lücke benennt und das Nächstliegende danebenstellt: „Mit Ihrer Branchensoftware habe ich noch nicht gearbeitet; ein vergleichbares System habe ich mir in den ersten Wochen meiner letzten Stelle selbst erschlossen." Das nimmt der Lücke die Bedeutung, ohne etwas zu behaupten.
Form
Ein Betreff ohne das Wort „Betreff", darunter die Stellenbezeichnung und, falls vorhanden, die Referenznummer. Persönliche Anrede, wenn eine Ansprechperson genannt ist — und wenn nicht, lohnt ein Blick auf die Website, bevor „Sehr geehrte Damen und Herren" stehen bleibt.
Als PDF, zusammen mit dem Lebenslauf, mit sprechendem Dateinamen. Wenn im Portal ein freies Textfeld statt eines Uploads erscheint, gilt derselbe Aufbau — nur ohne Briefkopf.
Wozu gupp dabei gut ist: Es zerlegt die Anzeige in einzelne Anforderungen und gewichtet sie. Damit steht fest, womit der erste Satz anfangen sollte — und wo eine Lücke sachlich benannt werden muss statt überschrieben. Kostenlos ausprobieren.
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